Historie

Die Entstehung des Reichshofes

Am 25.12.800 wurde Karl der Große, König der Franken, vom Papst zum Kaiser gekrönt. Das großfränkische Reich, das unter Karl eine Ausdehnung von der Elbe bis zum Ebro und von der Eider bis zum Tiber erfahren hatte, zu regieren und zu verwalten, war eine gewaltige Aufgabe. Karl der Große, Krieger und Staatsmann zugleich, hat sich dieser Aufgabe mit Macht und Gewalt, aber auch mit Übersicht und Vernunft weitgehend erfolgreich gestellt. Das er zur Sicherung seiner wirtschaftlichen und seiner militärischen Stärke unter anderem auf die große Zahl seiner Krongüter sowie auf die Reichshöfe setzte, ist durch seine um 794/795 entstandene „ Verordnung über die Krongüter und Reichshöfe “bekannt geworden.

Ob auch bald nach der Eroberung der Sigiburg im Jahre 775 ein Reichshof Westhofen durch Lieferung von Naturalien und Abgabe von Pachtzinsen zur Stärkung der kaiserlichen Macht hat beitragen müssen, ist umstritten.

Karl Rübel hat sich als erster wissenschaftlich mit diesem Thema befasst. Er nimmt an, dass der Reichshof Dortmund sowie die meist mit diesem im Zusammenhang genannten Reichshöfe Westhofen, Brackel und Elmenhorst karolingischen Ursprungs sind (zeitlich 775 – 911). Frensdorff und Dyckerhoff dagegen glauben an eine ludolfingische bzw. ottonische Gründung (bis1024) und führen dazu eine aus dem Jahr 997 erhaltene Urkunde Otto III. an, in welcher der Kaiser den Hof Dortmund „als seinem Eigen zugehörend“ bezeichnet. Lieselotte Nieland, die sich gründlicher und intensiver mit dem Reichshof Westhofen beschäftigt hat als jede bzw. jeder andere, schließt sich der Meinung Rübels an, ohne jedoch dessen zum Teil gewagte Begründungen im einzelnen zu teilen.

Der Zusammenhang zwischen den vier Reichshöfen wird vor allem ab Mitte des 13.Jahrhunderts in den bekannten (und noch zu behandelnden) Pfändungsbriefen deutlich. Dass Dortmund unter diesen vier Höfen die zentrale Stellung eingenommen hat, ist unbestritten. Rübel und Nieland sind daher auch sicher, dass zu den „vier Höfen um Dortmund“, die ein „Eingangsverzeichnis von Steuern königlicher Städte“ aus den Jahren 1241/42 erwähnt, auch Westhofen zu rechnen ist.

Der Königshof Dortmund wird aber schon in der bereits erwähnten Urkunde von 997 genannt und ebenso in dem sogenannten „Indiculus curiarum“, dem ersten bekannten Verzeichnis königlicher Tafelgüter aus den Jahren 1064/1065 sowie in einer Bestätigungsurkunde Kaiser Heinrich IV. aus dem Jahre 1059. Heinrich bestätigt darin eine jährliche Schenkung seines Vorgängers Heinrich III. (1039 – 1056), die aus dessen Einkünften aus dem Königshof Dortmund an das Kloster Deutz erfolgte. In diesen drei Urkunden findet sich jedoch, anders als in dem Verzeichnis von 1241/42, leider kein Hinweis auf weiteren Reichsbesitz „um Dortmund“.


Bei den offensichtlichen Schwierigkeiten, die Entstehungszeit des Reichhofes Westhofen möglichst genau zu fixieren, verwundert es sehr, dass ein wichtiger Hinweis bei v. Steinen auf dessen vermutliches Alter bisher unbeachtet geblieben ist.

Nach v. Steinen hat der Osnabrücker Domherr Jordanus in einem Buch über das Vorrecht des Kaisertums geschrieben, „dass Karl der Große um 804 etwa10000 fränkische Landsleute nach Westfalen schickte, um so in Sachsen den Christenglauben heimisch zu machen. Diese erbauten nahebei Syburg an der Ruhr die Kapelle des hl. Aegidius.“

Wenn man davon ausgeht, dass diese Kapelle nur in dem späteren Westhofen gebaut worden sein kann – die nächste Aegidienkapelle im Ruhrtal steht in Essen-Werden-, und wenn man weiter davon ausgeht, dass die Aussage des Jordanus auch zeitlich stimmt, dann hätten schon zu Karls Zeiten umgesiedelte Franken auf gerodeten und zu Reichsbesitz gewordenen Flächen in Westhofen die Höfe der späteren Kirchenbesucher gebaut. Denkbar ist aber auch, dass die Neusiedler Besitzer der vom Kaiser konfiszierten sächsischen Höfe wurden. Eine zahlenmäßig nicht ganz unbedeutende sächsische Bevölkerung hat es mit einiger Sicherheit im Syburger Umland gegeben. Wozu sonst wäre die  Volks- oder Fliehburg der Sachsen auf dem Syberg nütze gewesen?

Die Auswertung der historischen Belege berechtigt zu dem Schluß, dass die Gründung  des Reichshofes noch zu Lebzeiten Karls des Großen oder bald danach mehr als wahrscheinlich ist


Das Ende des Reichshofes

Am 2. Dezember 1804 krönte sich Napoleon Bonaparte in Paris in Anwesenheit des Papstes zum Kaiser der Franzosen. Sein Einfluß und seine Machtfülle in Europa waren schon zu dieser Zeit vergleichbar mit der Kaiser Karls der Großen, und wie dieser durch die Okkupation des damaligen Sachsens die Geschichte unserer Heimat – Eroberung der Sigiburg, Gründung der Reichshofes Westhofen – nachhaltig beeinflusste, so hat auch Napoleons Machtpolitik zweimal in die Geschichte Westhofens eingegriffen.

1. Mit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation – Kaiser Franz II. hatte am 6.8.1806 auf ein Ultimatum Napoleons hin die Krone niedergelegt – gilt auch der Reichshof Westhofen , ein niemals eingelöstes kaiserliches Pfand, formell als aufgelöst.

2. Nach dem verlorenen Krieg von 1806/07 gegen Frankreich bzw. nach dem Friedensschluß von Tilsit am 9.7.1807 verlor Preußen alle seine Gebiete westlich der Elbe. Westhofen (mit der Grafschaft Mark) wurde dem bereits seit 1806 bestehenden Großherzogtum Berg zugeschlagen, das zunächst von Joachim Murat, einem zum Großherzog erhobenen Schwager Napoleons, von Düsseldorf aus regiert wurde, bevor der Kaiser ab 1808 – Murat war König von Neapel geworden – die Regierungsgeschäfte des Landes selbst übernahm.

Westhofen stand nun unter französischer Herrschaft und Verwaltung. Zusammen mit der Stadt Schwerte sowie mit allen Bauerschaften des ehemaligen Reichshofes (Syburg, Holzen, Wandhofen und Garenfeld) bildete es die Mairie (Bürgermeisterei) Schwerte.

Die französische Herrschaft sollte nicht sehr lange dauern. Nach dem Untergang der „Großen Armee“ in Russland und dem Sieg der Alliierten in der Völkerschlacht bei Leipzig (Oktober 1813) war Napoleons Macht gebrochen, die Franzosen zogen sich flüchtend hinter den Rhein zurück. Preußen nahm unmittelbar danach wieder Besitz von seinen ehemaligen westelbischen Gebieten. Diese wurden vorübergehend, d.h. bis zur Festschreibung der neuen territorialen Grenzen auf dem Wiener Kongreß (18.9.1814 – 9.6.1815), von einer Militärregierung (Gouvernement zwischen Weser und Rhein) verwaltet. Seit 1815 gehört die Grafschaft Mark und damit auch Westhofen  zur neugebildeten preußischen Provinz Westfalen.

Das Ende des rund 1000jährigen Reichshofes war wenig spektakulär. Es dürfte von den Menschen in Westhofen kaum bemerkt und wahrgenommen worden sein.